„Faustwatsche für das Establishment“

Written by on 22. September 2016

Der US-Wahlkampf spitzt sich vor dem „Showdown“ am 9. November zu. Wolfgang Geier, Redakteur der „Zeit im Bild“, war als Auslandskorrespondent für den ORF in Amerika. Er spricht über den politischen Infight sowie seine Erlebnisse als Korrespondent.

Provokant und treffsicher: Donald Trump und sein Wahlkampf-Team platzieren ihre politischen Botschaften sehr gekonnt. „Jeder Krawall, den es um ihn gibt, ist ihm recht“, meint Wolfgang Geier. Er ist heute in der Innenpolitik-Redaktion der „Zeit im Bild“ tätig – kürzlich moderierte er die Live-Sendung zur Verschiebung der Bundespräsidenten-Wahl mit – und war zuvor ORF-Korrespondent in den Vereinigten Staaten. Den Zuspruch, den Trump erntet, erklärt sich Geier so: „Er schöpft aus einem Potential an Leuten, die so über die Politik enttäuscht sind, dass ihr einziger Wunsch ist, dass einer dem Establishment eine ,Faustwatsche‘ verpasst.“

Bei Wahlkampf-Veranstaltungen von Trump und seiner Herausforderin wird nichts dem Zufall überlassen. Sämtliche Kamera-Zwischenschnitte auf das Publikum sind kalkuliert, erklärt Geier: „Da werden alle Minderheiten durchgearbeitet. Da sieht man Afro-Americans sitzen, Latinos und Latinas.“ Diese würden an den richtigen Stellen bei den Reden gezeigt. Auch die Songs, die bei den Veranstaltungen eingespielt werden, sind genau abgestimmt: „You can’t always get what you want“ von den Rolling Stones und Adele-Musik etwa bei Trump. Geier: „Aus Trumps Sicht sind die Stones fünf ältere weiße Männer, Adele eignet sich ähnlich für die Zielgruppe.“ Das Gegenprogramm der Clintons sind u. a. eine „singende Latina“ in Form von Jennifer Lopez.

Im Falle, dass Trump die Wahl gewinnt – was Geier nicht glaubt – würden ihn „reale Sachzwänge zu Boden ziehen. Vieles von dem, was er jetzt so schrill sagt, würde dann plötzlich ganz anders klingen“. – Der Job des Auslandskorrespondenten ist bei weitem nicht so glamourös, wie er scheint: „Der Glamourfaktor geht rapide zurück, wenn man in Gummistiefeln in Memphis, Tennessee im Hochwasser steht und das Stativ und eine 20 Kilo schwere Ausrüstung im leichten Nieselregen schleppt“, erzählt Wolfgang Geier. Was er nach dem Anschlag beim Boston-Marathon erlebte und welche Tipps er jungen Talenten gibt, erfahren Sie bei Inside Media.

Credit: GALILA/Wolfgang Geier/Eric Foltz und Steve Goodwin/iStock

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Nikolaus Koller – Wolfgang Geier über die US-Präsidentenwahl und Donald Trump:


Inside Media mit Wolfgang Geier zum Nachhören:

1) Die US-Wahl und die Songs für Wahlkampf-Veranstaltungen von Clinton und Trump:


2) Berichterstattung in Zeiten des Terrors:


3) Nachrichtenquellen und „manipulierte Bilder“:


4) Warum ein Interview mit Barack Obama (fast) unmöglich ist:


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