In weißen Kleidern gegen den letzten Diktator Europas kämpfen

Written by on 30. September 2020

Am Rand der EU brodelt es, denn der letzte Diktator Europas, Alexander Lukaschenko, weigert sich das Zepter abzugeben. Seit 26 Jahren ist er an der Macht und herrscht mit Gewalt und Unterdrückung. Er hat die Coronakrise nicht ernst genommen und treibt die weißrussische Wirtschaft seit Jahrzehnten in den Ruin.

Mit der Präsidentschaftswahl am 9. August ist das Fass übergelaufen: Lukaschenko ließ starke Oppositionskandidaten verhaften und manipulierte die Wahl. Seine einzige Gegnerin, Swetlana Tichanowskaja, nahm er am Wahlabend fest und zwang sie zu einer Videobotschaft, in der sie die vermeintliche Niederlage eingestehen sollte. Tichanowskaja floh am nächsten Tag nach Litauen. Dort tritt sie seither als selbsternannte Wahlsiegerin in internationalen Gremien auf und steht für die Freiheitsrechte der Demonstrantinnen ein.

Sie wollen die gefälschten Wahlergebnisse nicht akzeptieren und gehen massenhaft auf die Straße. Die Polizei reagiert mit scharfer Munition und Tränengas. Innerhalb der ersten vier Protest-Tage wurden über 6700 Menschen festgenommen, 250 verletzt und zwei getötet. Zeuginnen berichten von Folter und sexuellem Missbrauch im Minsker Gefängnis Okrestino. Lukaschenko verhöhnt die Demonstrantinnen und nennt sie “Ratten”. Er lässt sich mit Kalaschnikows vor dem Präsidentenpalast ablichten und proklamiert:  „Ihr müsst mich schon töten, wenn ihr neue Wahlen wollt“.

Die Demonstrantinnen lassen sich aber nicht unterkriegen: In den letzten beiden Monaten kam es fast jeden Tag zu neuen Protestmärschen. Hunderttausende Arbeiterinnen gingen in den Generalstreik. Ende August organisierten tausende Frauen unter dem Namen “Große Parade der weiblichen Friedenstruppen” Proteste und bildeten eine Menschenkette quer durch Minsk. Maskierte Polizisten gingen auf die Demonstrantinnen los. Es gab wieder hunderte Festnahmen.

Das Absurde an der ganzen Situation: Die Frauenproteste in Belarus sind friedlich. Die Demonstrantinnen ziehen ihre Sonntagskleider an und gehen mit Blumensträußen unter den Armen auf die Straße. Sie verteilen Eis an Sicherheitskräfte und halten sich an den Händen. Was genau sie wollen? Dass die Gewalt endlich aufhört. Was sie vom Regime kriegen? Noch mehr Gewalt.

In dieser Sendung von Femality sprechen Julia Pabst und Johanna Hirzberger mit Yanna, der Initiatorin der Minsker Frauenproteste. Sie erzählt uns von den ersten Protesttagen, dem Blut auf der Straße, dass in den frühen Morgenstunden wie durch Zauberhand verschwindet und warum sie, als politisch bisher uninteressierte junge Frau, sich dazu entschließt gegen die Gewalt der Regierung zu demostrieren.

 

 

 

 


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