Von Schlurfs, Straight-ahead-Jazz und dem „ZWE“

Written by on 8. Januar 2020

Auch wenn einem Wien bei der Frage nach den Jazz-Metropolen dieser Welt vielleicht nicht als erstes einfällt, gibt es hier eine sehr lebhafte Jazzszene auf einem hohen Niveau, die außerdem eine lange Geschichte hat. Ein Einblick in die Wiener Jazzszene – damals und heute. 

Anfang des 20. Jahrhunderts strömte die in den USA geborene Musikrichtung Jazz nach Europa, wo dieser bereits nach kurzer Zeit große Beliebtheit erlangte. Doch wurde die Euphorie mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten rasch gebremst, war Jazz bei den Nazis doch als „artfremde Niggermusik“ verpönt und wurde bald im gesamten Dritten Reich verboten: Wer Jazz hörte oder gar öffentlich aufführte, dem drohte im schlimmsten Fall die Deportation in ein Konzentrationslager.

Der berühmte Jazzmusiker Louis Armstrong erhielt bereits 1932 Auftrittsverbot. (c) [Wikilmages_Jazz Musiker Trompete] via pixabay

Im Untergrund wird weiter dem Swing und Jazz gefröhnt

Der Leidenschaft vieler Jazzmusiker und ihrem Publikum tat dies jedoch keinen Abbruch und so wurde – mehr oder weniger im Verborgenen – weitergespielt. Besonders bei den Jugendlichen war der Jazz ein Ausdruck der Auflehnung gegen das nationalsozialistische Regime und in ganz Europa bildeten sich Jugend-Subkulturen, die neben ihrer Ablehnung jeglicher Form von Diskriminierung ihre Leidenschaft zum Jazz und ihr Kleidungsstil einte. In Österreich nannte man sie „Schlurfs“ und „Swings“ – erstere gehörten der Arbeiterklasse an, letztere waren Kinder aus gut-bürgerlichen Verhältnissen, beide waren sie der Gegenpol zur Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädel.

Laura Schott hat sich auf eine Reise in die Wiener Untergrund-Jazzszene in Wien während des Zweiten Weltkriegs begeben und spannendes Archivmaterial mit Zeitzeugen in der mediathek.at entdeckt.

Jazz im 2. Weltkrieg

Jazz in Wien heute: das „ZWE“

Menschen wie Günther Schifter, die nie aufgehört haben, für die Freiheit ihrer Musik zu kämpfen, haben wir es zu verdanken, dass sich der Jazz in Wien zu dem weiterentwickeln konnte, was er heute ist. Und, dass es Lokale wie das „ZWE“ gibt, die diese Weiterentwicklung auch heute noch fördern. Das „ZWE“ im zweiten Berzirk nimmt in der Wiener Jazzszene eine ganz besondere Stellung ein – manche nennen es sogar die „Jazzpolizei“.

Im „ZWE“ treffen Musiker und Publikum auf engstem Raum aufeinander. (c) Jazzcafé ZWE

Dass es im „ZWE“ doch nicht immer ganz so streng zugeht, zeigen die Improvisationsabende, an denen Musiker zusammen musizieren, ohne vorher viel gemeinsam geübt zu haben. Die Improvisation, die die Nationalsozialisten am Jazz so gestört hat, wird im „ZWE“ heute groß geschrieben und gefördert. Laura Fleischmann hat dem kleinen Lokal, das sich mittlerweile eine großes Stammpublikum aufgebaut hat, einen Besuch abgestattet und mit seinen Stammgästen, Musikern und dem Geschäftsführer gesprochen.

Das ZWE – Jazz in Wien heute

Studiogespräch mit Lars Seniuk

Lars Seniuk ist Leiter des Studiengangs Jazz der Musik und Kunst Privatuniversität Wien. Im Gespräch mit Anke Dieber erzählt er, warum ein Deutscher die Österreichische Jazzszene fördern will und wo man am besten hingehen sollte, wenn man in Wien guten Jazz hören will.

Stuiogespräch mit Lars Seniuk


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