Wissenschaftsradio

Published on März 13th, 2017 | by NJOY Redaktion

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Vorbehalte gegenüber Islam – was dagegen tun?

Der Anschlag auf die christliche Minderheit der KoptInnen in einer Kirche in Ägypten mit Toten und Verletzten am Palmsonntag. – Der Anschlag in Stockholm in einer Einkaufsstraße. – Ein Auto, das auf der Westminster Bridge in London viele Menschen zum Teil schwer verletzt. Es gibt Tote, darunter ein Polizist auf dem Gelände des britischen Parlaments, der niedergestochen wird. Der Attentäter wird von Sicherheitskräften erschossen. – Der Fall des mutmaßlichen terroristischen Attentäters Anis Amri in Berlin, der verhinderte Anschlag auf den Pariser Flughafen Orly: Diese und andere Ereignisse haben dazu beigetragen, dass es in der Öffentlichkeit viele Vorurteile gibt, auch gegenüber muslimischen Gläubigen (im Fall der Attentate in London reklamierte der IS die Tat für sich, Ermittlungen konnten aber keinen Bezug des Täters zum IS herstellen). Was kann gegen Vorbehalte getan, wie ein neues Miteinander von Kulturen erreicht werden? Darüber diskutieren wir mit Ednan Aslan, Professor für islamische Religions-Pädagogik in Wien, im Studio.

Rechte, populistische Strömungen werden in Europa zusehends stärker, auch, wenn es „Gegentrends“ wie etwa in den Niederlanden gibt, wo der erwartete Wahlsieg des Rechtspopulisten Geert Wilders nicht eingetreten ist. – Häufig wird von rechten Gruppen vor einer „Islamisierung“ der Gesellschaft gewarnt, Vorurteile werden geschürt. Ereignisse im Zusammenhang mit „Terror“ tun ihr übriges, um viele Menschen zu verunsichern. Was dagegen tun – und wie ist ein friedliches Miteinander von Kulturen möglich? Darüber diskutieren wir mit Ednan Aslan, Professor für islamische Religions-Pädagogik an der Uni Wien, im „Wissenschaftsradio“. Aslan geht dabei zudem auf die Meinungen von Studierenden ein. – Weiteres Thema in der Sendung ist die Debatte um das „Kopftuchgebot“. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hatte auf ihrer Website bekanntgegeben, das Tragen von Kopftüchern für Frauen sei „ein religiöses Gebot“ – und zwar auch für Mädchen ab der Pubertät. Die Politik reagierte umgehend darauf: Außenminister Sebastian Kurz ließ über eine Tageszeitung wissen, er lehne eine „Verpflichtung zum Kopftuch“ ab. Ibrahim Olgun, Präsident der IGGÖ, veröffentlichte daraufhin eine „Klarstellung“ auf der Webseite. Olgun sieht die IGGÖ als „Spielball der Politik“ missbraucht und die eigentliche Botschaft „verkehrt“ dargestellt. Die IGGÖ zwinge ihre weiblichen Mitglieder nicht, das Kopftuch zu tragen, so Olgun. Es habe sich um eine Stellungnahme zum Thema „Die Stellung der Verhüllung im Islam“ gehandelt. (Anm.: Bei einem kürzlichen Religionsgipfel mit Bundeskanzler Christian Kern sprach sich dieser klar gegen eine Verbannung religiöser Symbole aus den Gerichtssälen aus. Zuletzt hatte die RichterInnen-Vereinigung eine Verbannung religiöser oder weltanschaulicher Symbole aus dem Gerichtssaal verlangt. Kern findet nicht, dass dies Teil einer Gesetzes-Initiative sein sollte.) – Die österreichische Bundesregierung hat nun ein Burka-Verbot und damit das Verbot der Vollverschleierung von Frauen im öffentlichen Raum beschlossen. Das ist Teil eines Integrationspakets und sehr umstritten. Diese und andere Maßnahme/n (wie Deutsch- und Wertekursen, Untersagung der Verteilung von Koranen) gelten für anerkannte Flüchtlinge und AsylwerberInnen mit guter Bleibeperspektive.

Zudem spricht Ednan Aslan über die aktuelle Thematik „Türkei und Erdogan“. Aufgrund der Spannungen mit der EU will die Türkei nun Teile des Flüchtlingspaktes mit der EU nicht mehr erfüllen. Der türkische Präsident Erdogan hat mittlerweile eingelenkt und angekündigt, dass es keine Wahlkampfauftritte von türkischen Regierungsmitgliedern mehr in Deutschland geben soll. (Anm.: In diesem Zusammenhang ist die geplante Reform des Versammlungsrechtes in Österreich umstritten. Laut Innenminister Wolfgang Sobotka sollen neue Schutzzonen und eine verlängerte Anmeldefrist für Demonstrationen sowie Einschränkungen für Wahlkampfauftritte ausländischer PolitikerInnen noch in diesem Monat den Nationalrat passieren.) – Außerdem in der Sendung zu hören: Der Talk mit Friedrich Orter, langjähriger Auslandskorrespondent des ORF und Autor des Bestseller-Buches „Aufwachen“. Aus seiner Sicht ist es verfehlt, sich gegenüber radikalen MigrantInnen als „Gutmenschen“ zu geben. Europa müsse „aufwachen“ und erkennen, dass die (terroristischen) Gefahren zum Normalzustand werden, schreibt er sinngemäß – wobei er auch darlegt, dass das Problem eben bei den „radikal Denkenden“ liegt. Ob aus seiner Sicht ein „Dritter Weltkrieg“ in Form eines „Cyber-Wars“ droht, erklärt er in der Sendung.

Der Podcast der Sendung vom 14.3 zum Nachhören:

Teil 1: 


Teil 2:

 

Credit: Pixabay / Public Domain

 


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