Was tun gegen das Bienensterben?

Written by on 29. Oktober 2017

Viele ImkerInnen zittern bereits vor dem anstehenden Winter. Denn fast ein Viertel aller Bienenvölker in Österreich hat den vergangenen Winter nicht überlebt. Was tun gegen das Sterben der Bienen, die abgesehen vom leckeren „Nebenprodukt Honig“ für die Natur enorm wichtig sind? Wie gegen die schädliche Varroa-Milbe vorgehen? Spannende Fragen an den Virenexperten Benjamin Lamp und Kerstin Seitz von der Veterinärmedizinischen Uni Wien (VetMed; Einrichtung, die u. a. TierärztInnen ausbildet).

Die überwiegend heile Welt der Kids-TV-Serien-Biene Maja (abgesehen von der Aufregung um eine Folge auf Netflix, in der auf einem Baum angeblich eine „Peniszeichnung“ zu sehen gewesen sein soll; die Folge wurde entfernt) zeigt sich in der Wirklichkeit so leider nicht. In Oberösterreich etwa hat die Hälfte der Bienenvölker den vergangenen Winter nicht überlebt. Zu wenige Blumenwiesen mit „Nahrung“, die Varroa-Milbe, die den Bienen zusetzt: Diese Umstände stellen die Probleme für die Insekten dar. „Wir zittern auch schon vor dem Winter und hoffen darauf, dass die Bienen ihn gut überstehen“, schildert Benjamin Lamp. „Wir zittern aber mehr vor Wintern mit hohen Temperaturen, in denen die Bienen viel brüten und die Bienenbrut den Parasiten (Anm.: Schädlingen) der Bienen eine Vermehrung ermöglicht.“ Warum ist die in Medien vielfach genannte Varroa-Milbe für Bienen so gefährlich? Lamp: „Das Problem an der Milbe in den letzten Jahren ist die Übertragung von Infektionskrankheiten. So wie man sich vorstellen kann, dass Zecken Krankheiten auf den Menschen übertragen, sind die Milben in den Bienenvölkern dafür verantwortlich, dass sich Krankheiten ausbreiten.“ Kerstin Seitz, die sich in ihrer Doktor/in-Arbeit an der VetMed  mit der Varroa-Milbe beschäftigt, ergänzt: „Die Milbe sticht Bienen direkt an und übertragt damit Krankheiten. Ich persönlich beschäftige mich in meiner Doktorarbeit mit dem Flügel-Verkrüppelungs-Virus, das auch für den Großteil der Winter-Verluste verantwortlich zu sein scheint.“ Bisher ist es in keinem Land gelungen, die Varroa-Milbe auszurotten.

Was kann nun gegen das Bienensterben getan werden? Virenexperte Benjamin Lamp: „Es gibt moderne Bekämpfungskonzepte, die in der Testung gegen Varroa-Milben sind. Da wären einmal sogenannte RNAIs, kleine Moleküle (Anm.: Bausteine), die man ins Bienenfutter einmischen kann. Sie führen dazu, dass die Milben absterben. Da wären aktive Proteine, also Eiweiß-Bausteine, die man ins Bienenfutter mischen kann und die auch dazu führen, dass Milben absterben. Und ganz wichtig ist auch die Forschung an biologischen Bekämpfungssystemen, d. h. Bakterien, Pilzen oder Viren, mit denen man die Lebenszeit der Milben verkürzen oder ihnen die Vermehrungsfähigkeit entziehen kann.“ Honigbienen seien nicht nur wichtig für die Erträge der Landwirtschaft, so Lamp im Talk mit Moderator Paul Buchacher: „Sie sind auch wichtig für die ökologischen Systeme (Anm.: „die Umwelt“) und den Umweltschutz, da es in vielen Systemen, gerade im städtischen Bereich, an bestäubenden Insekten mangelt und nur Honigbienen diesen Mangel ausgleichen können“, erklärt der Forscher (eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass die Zahl der Insekten in Teilen unseres Nachbarlandes Deutschland um bis zu 75 Prozent abgenommen hat). – Forschenden von der britischen Uni Cambridge ist es indes gelungen, einen „Trick“ der Blüten, was das Anlocken von Insekten betrifft, zu entschlüsseln: Bei Sonneneinstrahlung entsteht im Inneren vieler Blüten ein bläulicher Lichtschein. Experimente zeigen: Mit diesem optischen „Trick“ locken die Pflanzen bestäubende Bienen und Hummeln an. Viele Bienenarten lieben die Farbe Blau. Das könnte daran liegen, dass blaue und violette Blumenblüten häufig besonders viel Nektar produzieren. Außerdem gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass Bienen die meisten Farben gar nicht erkennen können, außer eben Blau.

Der Klimawandel ist auch für die Bienen ein Problem. Mehr als 15.000 Forschende haben im Zuge der Klimakonferenz in Bonn konsequentere Maßnahmen für den Umweltschutz eingefordert. Die Lage ist besorgniserregend: Der Ausstoß von Treibhaus-Gasen erreicht heuer voraussichtlich ein Rekordhoch. – Ob Benjamin Lamp die Aussage von US-Präsident Trump, der Klimawandel sei eine „Erfindung“, „ärgert“, wie er den kürzlich abgehaltenen Bienen-Kongress in der Türkei, an dem er teilnahm, vor dem Hintergrund der Spannungen mit Präsident Erdogan sieht und welches Forschungsthema ihm ein besonderes Anliegen ist, verrät er in der Sendung. Außerdem: „Roof Top Honey“ vom Rathaus – Redakteur Michel Mehle besucht einen Imker auf dem Dach der Wiener Institution und muss nicht nur mit einer etwas „wilderen Biene“ zurechtkommen, sondern spricht mit seinem Gast auch über den angekündigten Rückzug von Bürgermeister Michael Häupl. Häupl wird den Parteivorsitz am 27.1.2018 übergeben. SPÖ-Politiker Andreas Schieder hat angekündigt, für Häupls Nachfolge kandidieren zu wollen. Dabei dürfte er gegen Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig antreten … Eine andere „Polit-Baustelle“: Die Koalitionsverhandlungen zur neuen Regierung. Bundespräsident Alexander van der Bellen hat indes mitgeteilt, die FPÖ-Politiker Johann Gudenus und Harald Vilimsky nicht als Minister angeloben zu wollen.

Der Podcast zum Nachhören:

Credit: Pixabay



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