Wie gefährlich ist das Zika-Virus?

Written by on 5. April 2016

Wie bedrohlich kann das Zika-Virus für Österreich werden? Was weiß man gesichert über das Virus, das für Schwangere gefährlich ist, da es bei ihren Babys zu Fehlbildungen führt? Antworten auf diese aktuellen Fragen gibt Viren-Expertin Elisabeth Puchhammer von der Medizinischen Universität Wien.

Könnte der heurige Sommer ein angstbesetzter werden, weil das Zika-Virus derzeit weltweit grassiert und von Fachleuten schon gewarnt wird, dass es sich auch in Österreich massenhaft verbreiten könnte? „So schlimm wird es hierzulande sicher nicht. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, beruhigt Elisabeth Puchhammer. „In 80 Prozent der Fälle verläuft es so, dass die Leute gar nicht merken, dass sie infiziert worden sind. Die anderen Personen haben eher, was wir als harmlose Erkrankung betrachten, etwa Ausschlag und Fieber. Das hört nach ca. einer Woche wieder auf. Dann ist der Patient in den meisten Fällen wieder völlig gesund.“ Puchhammer ist stellvertretender Vorstand des Departments (Abteilung) für Virologie (Virenkunde) an der Medizinischen Uni Wien und wurde für ihre Arbeit mit vielen Preisen ausgezeichnet. Die sexuelle Übertragung des Zika-Virus über Samenflüssigkeit gilt als gesichert, daher rät sie zu geschütztem Sexualverkehr. Dass das Virus auch über Küsse verbreitet werden kann, dafür gebe es aber „keine Hinweise“, so Puchhammer. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass das Zika-Virus zu Fehlbildungen (Mikrozephalie) bei Babys führt. Diese kommen mit zu kleinen Köpfen auf die Welt und können dauerhaft behindert sein.

Die Weltgesundheitsorganisation hat heuer bereits den medizinischen Notstand ausgerufen. Besonders von Zika betroffen sind die Länder Brasilien und Kolumbien. In Kolumbien rechnet man mit mehr als 600.000 Infektionen in diesem Jahr. In Honduras hat das Zika-Virus wiederum ein Todesopfer gefordert: Ein Mensch starb an dem Guillain-Barre-Syndrom, einer durch das Virus ausgelösten Nervenkrankheit. Brasilien veranstaltet heuer die Olympischen Sommerspiele – vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage: Sollten diese aus Sicht der Expertin abgesagt werden, weil die hundertprozentige Sicherheit der AthletInnen und Gäste nicht garantiert werden kann? „Die Erkrankung ist generell als relativ harmlos einzustufen. Ich persönlich würde mich von Zika nicht abhalten lassen, in südamerikanische Länder zu reisen. Ich würde aber Schwangeren davon abraten, zu diesem Ereignis zu kommen“, meint Puchhammer.

Die Wiener Firma Themis Bioscience hat indes für die Weiterentwicklung eines prophylaktischen Impfstoffs gegen das Zika-Virus umgerechnet 1, 2 Mio. Euro von einer Innovationsagentur aus Großbritannien erhalten. – Ob das Zika-Virus die Flüchtlingskrise insofern verschärfen könnte, wenn es zu einer weltweiten Epidemie kommt, wie groß die Gefahr ist, dass Virenstämme in die Hände von TerroristInnen fallen (die jüngsten Anschläge in Belgien haben die akute Terrorbedrohung in Europa wieder vor Augen geführt, Anm.), und weshalb das HI-Virus nach wie vor ein großes Problem in Österreich ist, erklärt Elisabeth Puchhammer im „Wissenschaftsradio“. Außerdem: Warum sie die Entdeckung von „Ötzi“, dem Mann aus dem Eis, vor 25 Jahren besonders interessiert hat und wie sie die Diskussion um die umstrittenen Arbeitszeiten der ÄrztInnen in Wien sieht.

Der Podcast zum Nachhören:


Tipp: Noch mehr spannende Einblicke in die Welt der Wissenschaft – auch die Medizinische Universität Wien ist dabei – am Freitag, dem 22. April, bei der „Langen Nacht der Forschung“:
http://www.langenachtderforschung.at/

Der Kultur- und Informationssender ORFIII bietet am Freitag, dem 22. April, einen großen Spezialtag mit vielen Medizin- und Wissenschaftssendungen anlässlich der „Langen Nacht der Forschung“. Highlights: Moderatorin Barbara Stöckl und ihr Kollege Andreas Heyer im Gespräch mit Top-WissenschaftlerInnen wie Markus Hengstschläger und Sabine Ladstätter sowie die Doku „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“, in der der österreichische Hirnforscher Eric Kandel traumatischen Kindheitserlebnissen nachgeht. Nach dem Einmarsch von Hitlers Truppen musste der Wiener im Alter von neun Jahren sein Heimatland verlassen.
Detaillierte Infos:  http://tv.orf.at/program/orf3/20160422/

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